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Geistige Heilung solle umsonst sein

5. September 2017

Immer wieder höre ich Aussagen wie:

„Jesus heilte ohne Unterschied, ohne Geld zu bekommen, ohne einen festen Ort zu haben.“ – „Wer wirklich den Menschen über geistiges Arbeiten helfen möchte, will dafür kein Geld.“ – „Geistige Heilung sollte umsonst sein.“- „Nehme ich Geld für geistige Behandlungen an, verliere ich meine Fähigkeiten.“

 

Dazu möchte ich folgende Anmerkungen machen:

1.) Geistige Heilung

Selbst wenn Menschen durch meine Tätigkeit eine deutliche Besserung erfahren, heile ich sie nicht. Ich kann ihnen eine gewisse Zeit unterstützend zur Seite stehen, energetisch harmonisierend einwirken und dazu beitragen, ihnen bei der Erkennung und Bewältigung des Themas zu helfen, um welches es bei ihren Problemen geht. Aber heilen kann sich jeder nur selbst. Irgendwelche Wunder zu erwarten durch bloßes Handauflegen, ohne dabei über sein Leben zu reflektieren und es zu ändern, wird nach meiner Wahrnehmung nach nicht funktionieren.

 

2.) Geistige Heilung oder Behandlungen sollten umsonst sein

Jesus habe durch geistige Heilung umsonst geheilt. Dies mag stimmen, allerdings erhielt er als Unterstützung Kost und Unterkunft und ggf. neue Gewänder. Mittlerweile sind seit der Geburt Christi auch über 2000 Jahre vergangen und dementsprechend haben sich die gesellschaftlichen Strukturen und Verhältnisse geändert. Umsatzsteuer-Regelungen und Pflichtversicherungen waren damals nicht existent. Auch konnten Bader oder Heiler in ihrem Planwagen von Ort zu Ort ziehen, um dort ihre Tätigkeiten anzubieten, welches heute nicht mehr möglich ist.

So ist für die Ausübung der Heilkunde eine Niederlassung erforderlich, da das Ärzte- und Heilpraktikergesetz in Deutschland und Österreich eine Ausübung der Heilkunde im Umherziehen verbietet. Ebenso müssen auch rein geistig-energetisch arbeitende Menschen eine gewerbliche Niederlassung haben, da für ein sog. Reisegewerbe bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen.

Dies alles ist mit Kosten verbunden: Gewerbeanmeldung, Kammerabgaben, Unterhalt der Räumlichkeiten, Weiterbildungen – hinzu kommen Pflichtversicherungen und Sozialabgaben. Allein in Deutschland beträgt der Mindestsatz für Selbstständige nur allein in der gesetzlichen Krankenversicherung aktuell ca. 392 Euro pro Monat, unabhängig davon, ob mit der angemeldeten Tätigkeit 50 Euro oder 2000 Euro im Monat verdient werden – in Österreich dagegen liegt der Mindestsatz der gesamten Sozialversicherung bei 546 Euro pro Quartal, wobei hiervon nur 97,71 Euro auf den Krankenkassenbeitrag entfallen und 401,55 Euro auf die Pensionsvorsorge (der Restbetrag ist die Ausgabe für Unfallversicherung und Selbstständigenvorsorge). Um Außentermine und Weiterbildungen wahrzunehmen, wird weiterhin ein Auto benötigt. Auch dies kostet Versicherung, Steuer und Benzin.

Wie soll ich nun all diese Kosten und meinen Lebensunterhalt begleichen, wenn ich meine gesamte Tätigkeit und Beratung umsonst anbieten würde?

Auch hier gibt es „passende“ Antworten: Ich könne ja tagsüber einen „normalen“ Beruf nachgehen um das nötige Geld zu verdienen und dann abends oder am Wochenende kostenlos geistige und aurachirurgische Behandlungen anbieten. Oder ich könne auf „Spendenbasis“ oder „Energieausgleich“ arbeiten.

Welche Ironie…

Daneben wird behauptet, dass die geistigen Fähigkeiten sich zurückbilden würden, sobald ich für mediale Beratungen oder geistig-energetisches Arbeiten Geld als reguläres Zahlungsmittel nehme. Dies kann ich nicht nachvollziehen. Schließlich würden dann auch all jene sog. geistigen Heiler ihre Fähigkeiten verlieren, die um Geld-Spenden bitten oder diese annehmen. Und auch Channel-Medien hätten plötzlich keine Botschaften mehr übermitteln können, als sie Eintritt für ihre Channel-Sitzungen verlangten.

Lebe ich nicht auf einer einsamen Insel, sondern bin in ein gesellschaftliches Gefüge eingebunden, in welchem das Geldsystem fest etabliert ist, ist nichts dagegen einzuwenden, für eine geistig-energetische Behandlung und Beratung auch eine normale Rechnung auszustellen. Und wer sich daran stört, muss die angebotene Leistung nicht in Anspruch nehmen.

 

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6 Kommentare

  • Antworten Josef Schmid 9. Juni 2018 um 16:21 Uhr

    Der Apostel Paulus schreibt in einem seiner Briefe dass jemand der das Wort Gottes verkündet davon leben soll bzw. damit seinen Lebensunterhalt verdienen darf. Sinngemäß sollte das auch für das Geistheilen gelten, zumindest wenn es sich um ortsübliche Stundensätze handelt.

  • Antworten Michael Erichsen 29. Mai 2018 um 13:23 Uhr

    Hallo Katharina,

    das Geld, das jemand für meine Heilbehandlung bezahlt, ist auf der einen Seite ein Ausgleich und
    auf der anderen Seite eine Wertbemessung.

    Ich empfinde es als heuchlerisch, wenn jemand eine Dienstleistung in Anspruch nimmt, dafür dann
    nichts zahlen will, selber aber für seine eigene Arbeit in einem “normalen” Job bezahlt werden will.

    Und das Argument, man könne ja einen normalen Job ausüben, um seinen Lebensunterhalt zu
    verdienen und hätte dadurch die Möglichkeit quasi nebenbei seine Heilbehandlungen kostenfrei
    anzubieten, ist für mich ein weltfremdes Gewäsch, denn:
    Man muss sein Heilersein leben und sich intensiv sowohl mental als auch emotional auf das einstellen,
    was man tut und das würde durch einen “normalen” Job verhindert, weil einem dieser zu sehr mental
    und emotional belastet (zumindet einen Heiler) und in eine völlig andere mentale und emotionale
    Richtung drängt.
    Man kann also nicht einfach nur so nebenbei Heiler sein und ich persönlich würde mich sowieso viel
    lieber von einem Profi behandeln lassen, als von einem Feierabend-Hobby-Heiler (auch wenn darunter
    vielleicht sogar mal ein Guter sein könnte. Gibt ja schon genügend Schlechte unter den Profis).

    Viele Grüße
    Michael Erichsen

  • Antworten Andreas 6. November 2017 um 18:19 Uhr

    Das ein Thema, was immer wieder so viel diskutiert wird… Ich finde klar, dass wenn das meine Dienstleistung, mein Dienst an der Menschheit ist, ich auch dafür eine Gegenleistung erhalten sollte. Wenn ich Geld nicht brauche, weil ich z B. durch einen anderen Beruf das erhalte was ich brauche, biete ich es ohne Geld als Gegenleistung an. Diese wird dann in andere Form zu mir kommen…

  • Antworten Herbert 15. Oktober 2017 um 17:02 Uhr

    Es ist selbstverständlich, dass Ärzte für ihre Leistungen bezahlt werden und durch Privat-Patienten z.T. hohe Honor-Einnahmen haben. Es ist auch bekannt, dass viele Sportler, Musiker, Sänger, Moderatoren u. ä. extrem hohe Geldbeträge erhalten. Erfolgstrainer, Coaches, Lebensberater u .ä. verlangen nicht selten mehrere hundert Euro je Stunde und ein Seminar kann auch locker mehrere tausend Euro kosten. Da finde ich es nur lächerlich bis unverschämt, zu verlangen. dass Geistheiler ihre Dienste kostenlos anbieten sollen.
    Zu “auf Spendenbasis”: Ich kenne keinen gewerblich angemeldeten Freiberufler, der seine Dienste auf Spendenbasis oder freiwilligem Energieausgleich anbietet. Warum verlangt man es von Geistheilern? Weil es eine “Gottesgabe” ist? So gesehen ist jedes Talent eine “Gottesgabe”, womit z.T. sehr viel Geld verdient wird, was als normal betrachtet wird.

    • Antworten Katharina Dill 16. Oktober 2017 um 13:51 Uhr

      Lieber Herbert, ich danke Dir für Deine ergänzenden Worte. Du hast vollkommen recht: Niemand würde z.B. zu einem Fußballspieler des FC-Bayern sagen, er würde schlechter spielen können, wenn er sein Gehalt vom Fußballclub bekommt und viele Werbe-Einnahmen hätte. Hier fordert niemand, dass er doch bitte zum “Wohle der Menschen” kostenlos spielen solle und nebenbei seinen Unterhalt in einem Bürojob verdienen solle. 🙂

    • Antworten Petra Schnidtmann 19. Oktober 2017 um 21:58 Uhr

      Hallo Herbert,
      danke für Dein Statement….ich sehe das genau so!
      Ich biete auch geistige Heilungen an und kann Katharinas Worte nur bestätigen. Wieso soll man sich schlecht fühlen, wenn
      man Geld für Dienste annimmt. Würde eine Kosmetikerin oder Fußpflegerin auch “umsonst” arbeiten. Im Traum käme niemand auf die Idee, so etwas zu erwarten.

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