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Übertriebene Erwartungshaltungen

26. Oktober 2016

Übertriebene Erwartungshaltungen hindern uns daran, völlig präsent zu sein. In der Regel sind es unsere eigenen, oft aber auch von außen suggerierte Erwartungen. Werden diese nicht erfüllt, bleibt in uns eine tiefe Enttäuschung zurück und wir beginnen zu resignieren. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter solchen Erwartungshaltungen?

Oft ist es ganz banal: Wir tuen etwas und dann erwarten wir, dass aufgrund dieser Handlung ganz bestimmte Ergebnisse erzielt werden und auch Menschen sich so verhalten, wie wir das angenommen haben. Trifft dies alles dann nicht genauso ein, wie wir es aus unserem Ego heraus beabsichtigt hatten, sind wir wütend, frustriert und ent-täuscht. Vor allem nach größeren Investitionen möchten wir am liebsten SOFORT und GLEICH sichtbare Erfolge. Sinnigerweise sind aber genau die von uns “erdachten” Ergebnisse weder im Einklang mit unserem weiteren Lebensweg noch nachhaltig.

Ein Beispiel

Ich schreibe einen Artikel über ein Thema, wo ich der Meinung bin, dass viele Menschen sich dafür interessieren könnten – d.h. ich tue es nicht aus einer inneren Wahrnehmung und aus dem Herzen heraus, sondern weil es im Außen “vielleicht irgendwie passend sei”. Dann poste ich diesen in einigen Facebook-Gruppen – in die ich natürlich nur eingetreten bin, um eine Plattform für meine Artikel zu haben und nicht, weil ich dort irgendwelche Hilfe und Anregungen benötige. Nun erwarte ich aus meinem Ego heraus, dass ganz viele Leute in diesen Gruppen meinen Artikel gut finden, ihn “liken” und teilen – schließlich passt er ja zu den sonst beliebten Themen dort. Doch dann passiert genau das Gegenteil: Niemand nimmt wirklich Notiz von dem, was ich geschrieben habe. Natürlich auch, weil diese “In Gruppen posten-Strategie” im Online-Business empfohlen wird und immer mehr Leute ihr folgen – obgleich sie nicht wirklich sinnvoll ist und auf lange Sicht nur wenige kurzfristige Erfolgsmomente generiert.

Irgendwann bmerkte ich, dass ich endlich aufhören sollte, mittlerweile veralteten Methoden und zunehmend unwirksameren Strategien zu folgen. Es machte mir auch überhaupt keinen Spaß, jede Woche neue Artikel und Videos “produzieren zu müssen” um diese dann zu bestimmten Zeiten (empfohlen wird ja immer Dienstag und Donnerstag 18 Uhr) in Facebook-Gruppen zu teilen. Gruppen, die mir im Grunde keinen persönlichen Benefit brachten.

Daher beschloss ich dann für mich einen Schlussstrich zu ziehen: Ich meldete mich aus allen Gruppen ab, nahm Likes zurück von Seiten, die mich nicht mehr überzeugten und schreibe Artikel mittlerweile nur noch, wenn ich aus meinem Inneren heraus das Bedürfnis habe, dies zu tun.

Ebenso widerstrebt es mir, irgendwelche “Umfragen” zu machen. Hier würde ich mich nur an den Vorlieben anderer orientieren und dem Irrtum erliegen, dass ich daraus etwas Erfolgreiches generieren könnte. Weder ist das authentisch, noch kenne ich bis heute irgendjemanden (v.a. unter den Kongress-Veranstaltern), dem solche Umfragen und deren Umsetzung wirklich etwas gebracht hätten.

Da auch mein Leben stark von übertriebenen Erwartungshaltungen geprägt war, wurde ich besonders in den letzten Wochen vermehrt in Situationen geführt, wo ich dieses alte Muster noch einmal voll bewusst wahrnehmen und hinterfragen durfte. Statt den von mir erwarteten Ergebnissen entwickelten sich zunehmend “unerwartete” Dinge, die sich nach der ersten Ent-Täuschung im weiteren Verlauf aber als ein Segen herausstellten.

Prägung aus der Schulzeit

Gleichzeitig überlegte ich, woher diese Prägung einer zu großen Erwartungshaltung kam, verbunden mit der Ansicht, etwas sei nur gut, wenn es sofort funktionierte. Durch meine Schulzeit.

Wir alle wurden in der Schule darauf getrimmt möglichst schnell sichtbare Erfolge zu liefern, sonst erhielten wir schlechte Noten oder galten im Schlimmsten Fall als Versager. Kopfstand wurde im Sportunterricht ein paar Mal geübt und wer ihn zur Leistungskontrolle nicht konnte, hatte eben “Pech gehabt”. Wer die Fakten bei der nächsten Klassenarbeit nicht abrufbar hatte, musste mit den Konsequenzen leben – ob diese Fakten dann ein halbes Jahr später gekonnt wurden, interessierte niemanden.

Nirgends wurden wir so extrem auf kurzfristige “Erfolge” gepolt, wie in der Schule. Ich hatte sehr schnell den Dreh raus, was ich tun musste um gute Noten zu erhalten: Stupides Auswendiglernen und in der Pause nochmal die letzten zwei Seiten im Hefter überfliegen, um keine miserable Bewertung bei einer unerwarteten Leistungskontrolle zu bekommen.

Bei fast allem, was ich tat, wusste ich genau, welche Ergebnisse ich mit meiner Handlungsweise erzielte. Meine Erwartungshaltung wurde fast immer erfüllt. Dass weder der Lehrplan, noch meine Lern-Methoden auf wirkliche Nachhaltigkeit ausgeprägt waren, spielte keine Rolle.

Dummerweise übernahm ich diese – in der Schule verinnerlichte Strategie – automatisch für mein späteres Leben. Und war hier zunehmend frustriert, wenn die Ergebnisse nicht mehr so “planbar” waren.

Unser Leben interessiert es nicht, welche vermeintlich tollen Pläne wir machen, um kurzfristig einen Hauch von Erfolg zu erzielen. Von heute auf morgen mit einem “großen Knall” da zu sein ist nichts, was angestrebt werden sollte, denn genauso schnell ist man meist nach spätestens 2 Jahren mit einem großen Knall wieder von der Bildfläche verschwunden. Ein Projekt langsamer, aber dafür mit einer höheren Qualität aufzubauen, ist leider auch in der Wirtschaft, in Großunternehmen und v.a. in der Politik weiterhin stark verpönt und nicht erwünscht.

Heilungs-Erwartungen

Auch im Gesundheitsbereich finden sich teilweise abstruse Erwartungshaltungen, die in der Regel mit der Abgabe der Selbstverantwortung einhergehen. Menschen mit Symptomen und Beschwerden erwarten von ihren Ärzten und Heilpraktikern, dass sie die Krankheit wieder “weg machen” – am besten sofort und gleich. Statt langfristig Ernährung, Gewohnheiten und die eigene Sicht über die Erkrankung zu ändern, sollen bitte schnellstmöglich Tabletten gegeben oder operiert werden. Auch im geistig-energetischen Bereich haben viele die skurile Erwartung, sie könnten mit einem schweren Leiden zu einem “Heiler” gehen und seien nach 10min Handauflegen wieder gesund. Dementsprechend groß ist dann die Enttäuschung, wenn es nicht funktioniert hat.

 

Ich setze heute nur noch die Dinge um, die wichtig für mich sind und über die ich innere Impulse erhalte. Dann versuche ich loszulassen und möglichst erwartungsfrei zu bleiben. Und oft kann es auch eine wunderbare Fügung sein, wenn sich unsere Erwartungen nicht erfüllen und dafür etwas absolut Unerwartetes passiert.

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