Gesundheit Persönlichkeit

Die Suche nach Alternativen

18. März 2016

 

Bei vielen Menschen sind die Wörter Alternative und „alternativ“ mit negativen Assoziationen verbunden. Gesellschaft und Erziehung prägten auch in mir von klein an ein Bild, dass „alternativ sein“ mit schlecht, dumm, ungepflegt und faul sein verband. Dabei bedeutet es nichts Anderes als schlichtweg „anders zu sein“ und nicht der aktuell vorherrschenden Meinung zu folgen. Es bedeutet, neue und individuelle Wege zu gehen.

Wir beginnen nach Alternativen zu suchen, wenn wir merken, dass das etablierte und herkömmliche System mit dem wir aufgewachsen sind, so nicht mehr mit unseren neuen Erkenntnissen und Erfahrungen vereinbar ist. Und oft können wir dies erst erkennen, nachdem wir uns bewusst eine Auszeit genommen haben – oder das Leben dafür gesorgt hat, dass wir sie nehmen mussten.

Denn wenn mein Alltag angefüllt ist mit Sorgen, wie ich Familie und Beruf unter einen Hut bringen kann, wie ich meine ganzen Versicherungen, Rentenvorsorge und Rechnungen bezahle oder die nächsten 10-20 Jahre den Kredit für das Haus begleichen kann, habe ich nicht genügend Zeit, ausreichend und tiefgründig mein Leben zu reflektieren und zu hinterfragen.

Dabei gibt es keine starre Eingrenzung oder Definition, was „alternativ“ und was „herkömmlich“ ist, dies liegt im Ermessen eines jeden einzelnen und ist abhängig von dessen Wahrnehmung und Resonanzfeld.

Der Kreis der Menschen, die u.a. im medizinischen, schulischen und beruflichen Bereich für sich selbst und ihre Familie nach Alternativen suchen, steigt langsam – aber stetig und kontinuierlich- an. Und das ist gut so – denn nur die Suche nach neuen Möglichkeiten und das Ausprobieren neuer Wege bringt letzten Endes den Fortschritt.

Betrachten wir das Schulsystem so war es vor einigen Jahrzehnten üblich, dass Kinder vom Lehrer mit dem Rohrstock getadelt werden durften oder sie stundenlang in einer Ecke zu stehen hatten, wenn sie es wagten, dem Lehrer zu widersprechen. Diese Vorgehensweise war damals alltäglich und wurde hingenommen, da die Menschen glaubten, nur durch Strenge könnten die Kinder etwas lernen. Der Lehrer wurde zu einer Koryphäe stilisiert, dem die Kinder mit absoluten Gehorsam zu folgen hatten und dessen Meinung unantastbar war.

Wir hätten heute genau dieselbe Art des Unterrichts, wenn nicht im Laufe der Zeit Menschen gegen diese unwürdigen und demütigenden Vorgehensweisen rebelliert und nach Alternativen gesucht hätten.

Nichts ist statisch. Und nichts sollte – getreu dem Motto „Wir haben das schon immer so gemacht“- als nicht verbesserungswürdig angesehen werden.

Aus einer höheren Perspektive betrachtet, ist es das Wesen einer jeden neuen Generation, dass zu hinterfragen und zu verbessern, was die Vorgänger-Generationen geschaffen und ihrerseits weiterentwickelt hatten. Für meinen Mann und mich stand nach der Geburt unserer Tochter recht schnell fest, dass eine herkömmliche und den alten Mustern folgende Grundschule für uns nicht mehr in Frage kam. Wir setzten uns mit unserer eigenen Schulzeit intensiv in Gesprächen und durch die Aufarbeitung eigener Erinnerungen auseinander. Und stellten erschreckend fest, wieviel Zeit unseres Lebens wir mit sinnlosen, dem Lehrplan folgenden Stunden absitzen mussten und Dinge „lernten“, die wir weder für unser Leben noch das spätere Studium wirklich verwenden konnten. Als ich das erste Mal ein Video von Gerald Hüther sah – indem er beschrieb, dass wir Schulen brauchen, wo die Kinder mit Begeisterung hingehen und weinen, wenn Ferien sind – kamen mir die Tränen und Wut stieg in mir hoch: Die Wut darüber, wertvolle Lebenszeit durch stupides Herumsitzen und roboterhaftes Auswendiglernen verschwendet zu haben.

Doch nicht nur im schulischen Bereich suchen wir nach Alternativen, wenn wir einschneidende Erfahrungen gemacht haben.

Auch die akademische Medizin steht trotz der vielen Fortschritte vor der Herausforderung, sich endlich mit anderen Heilweisen auszusöhnen. Viele Ärzte setzen bereits erfolgreich eine Synthese aus Schulmedizin und Naturheilverfahren um. Und dennoch sind wir noch weit entfernt, um von einem gleichberechtigten Nebeneinander zu sprechen. Oft blicken rein akademisch arbeitende Ärzte mit Verachtung auf Kollegen, die z.B. überwiegend homöopathisch arbeiten oder versuchen, ihren Patienten Methoden zu vermitteln, wie diese sich selbst gesund erhalten können – ohne mehrmals im Jahr zum Arzt gehen zu müssen.

Warum gibt es Ärzte, die nach über mehrjähriger schulmedizinischer Tätigkeit nach Alternativen suchen? Ärzte suchen nach Alternativen, wenn sie aufgrund ihrer alltäglichen Erfahrung bemerken, dass ihnen das bisher Vermittelte nicht reicht, um ihren Patienten wirklich zu helfen. Oder die Patienten fordern selbstbestimmt eine individuelle Therapie ein und der Arzt wird dadurch gezwungen, von der Schema F-Behandlung abzusehen und sich neuen Behandlungsmöglichkeiten zu öffnen. Wäre dies nicht unentwegt in den letzten Jahrhunderten erfolgt, hätten wir heute noch den Aderlass als Haupttherapie und müssten ohne Sedierung und Betäubung operieren.

Jede Veränderung zu etwas Neuem bringt Weiterentwicklung. Und Fortschritt ist nur möglich, wenn wir den Kopf heben, über den Tellerrand schauen und die wunderbaren Alternativen erblicken, die sich uns dort präsentieren können.

 

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