Gesundheit Kinder

„Gebt mir die Macht, Fieber zu erzeugen und ich heile jede Krankheit”

11. Dezember 2015

“Gebt mir die Macht, Fieber zu erzeugen und ich heile jede Krankheit.“

(Parmenides, griech. Philosoph)

Eine alte Weisheit, die leider bei vielen Ärzten und Eltern in Vergessenheit geraten ist. Als ich noch in der Klinik arbeitete, war Fieber unerwünscht. Der Patient hat 39°C oder 40°C Fieber? Sofort gab es eine Infusion mit Paracetamol oder ASS zur Fiebersenkung. Es wurde zwar danach gefragt, woher das Fieber stammen könnte (meist von einem Entzündungsherd), aber nie wurde es als sinnvolle „Eigenmaßnahme“ des Körpers erkannt, sondern in der Regel sofort symptomatisch behandelt.

Auch von den meisten Kinderärzten wird bei Besuchen mit dem gesunden Baby prophylaktisch das Fiebersaft-Rezept ausgestellt. „Sie werden das brauchen.“  Und Panik ergreift junge Eltern, wenn sie in den Foren und Fachzeitschriften vom „Fieberkrampf“ lesen, der aber eigentlich  nur 2-4% der Kleinkinder betrifft und keine Beeinträchtigung von Gesundheit und geistiger Entwicklung darstellt.

Viele Eltern tolerieren einen Anstieg der Körpertemperatur bis auf 38,5 oder 39°C. Sie springen um ihr fieberndes Kind herum und messen fast stündlich die Temperatur, damit sie „rechtzeitig“ Zäpfchen oder Fiebersaft geben können, sollte es weiter steigen. Niemand hat ihnen beigebracht, auf welche anderen Kriterien sie stärker achten sollten:

Trinkt das Kind genug?

Schwitzt es? Ist die Ausscheidung in Ordnung?

Kann es schlafen und sich regenerieren?

Es ist wichtig ein fieberndes Kind genau zu beobachten. So habe ich mir abgewöhnt,  die genaue Temperatur zu messen und stattdessen auf die anderen Signale des Körpers zu achten. Solange meine Tochter ansprechbar war und hier adäquat reagiert hat, genug Wasser trank und die Ausscheidung funktionierte, war es mir egal, ob ihre Körpertemperatur 38°C oder 41°C war. Der genaue Zahlenwert hat mich nicht interessiert.

Ich war stets im Vertrauen, dass sie  sich selbst heilt und habe dies auch für das Kind ausgestrahlt. Denn im Grunde ist Fieber nichts anderes, als die einsetzende Selbstheilungskraft des Körpers.

Kinder (und auch noch Erwachsene!) haben ein großes Selbstheilungspotential, wenn ihnen die Möglichkeit und genug Zeit gegeben werden, sich selbst zu kurieren. Dabei sollte es völlig gleichgültig sein, ob das Kind für das Auskurieren einer Bronchitis eine oder drei Wochen zu Hause bleiben muss/darf.

Es gibt genug homöopathische oder „Hausmittel“ (z.B. Zwiebelsaft), die bei der Selbstheilung einer Erkältung oder Bronchitis unterstützend wirken. Natürlich kann es auch Fälle geben, wo eine Antibiotika-Gabe sinnvoll und notwendig ist. Allerdings ist dies weit weniger der Fall, als es von der Allgemeinheit angenommen wird.

Vor 3 Wochen war unsere Tochter das erste Mal wirklich heftig erkrankt mit einer Fieberperiode von 5 Tagen und starkem Husten mit Auswurf. In dieser Zeit wollte sie nichts essen, war wehleidig, quengelig und sehr Mama-fixiert. Das war weder für mich noch für sie einfach. Solche Krankheitsphasen im Kindesalter sind aber auch dazu da, sich mit der eigenen Leidensfähigkeit auseinandersetzen. Dem Kind nicht alles abzunehmen, sondern ihm die Möglichkeit geben für sich selbst zu erkennen, dass es auch solche Perioden des „Schlecht- Gehens“  mit liebevoller Unterstützung ALLEIN meistern kann.

Unsere Tochter hat während diesen 5 Fieber-Tagen sehr viel geschlafen. Da sie genügend Wasser getrunken hatte, war es nicht schlimm, dass sie auch die gesamte Zeit über nichts essen wollte und sie praktisch 5 Tage lang gefastet hat. Der Darm war dadurch entlastet und der Körper musste keine Energie für die Verdauung aufwenden. Sie hat in dieser Zeit kein Gewicht verloren und es ging ihr hinterher deutlich besser. Nach einer weiteren Woche war auch der eitrige Hustenauswurf komplett abgeklungen und sie war wieder gesund.

Bis heute (sie ist 4,5 Jahre) hat sie außer gelegentlichen Globuli-Gaben zur homöopathischen Unterstützung kein Medikament benötigt, weder Fiebersaft noch Antibiotika.

Dr. Scheel, Kinderarzt aus Steinheim beschreibt, dass  jede Krankheit selbst  bereits die Heilung des Körpers sei. Der Körper sei stets bestrebt, seine Gesundheit und damit sein Gleichgewicht wiederherzustellen.  Ein Denkansatz, den ich sehr interessant finde. Seitdem ich dadurch  meine eigene Sichtweise von Krankheit, vor allem als ehemalige Ärztin, ändern durfte, ist ein großer Druck von mir abgefallen. So finde ich es nicht mehr dramatisch, wenn meine Tochter auch einmal heftigere Erkältungen hat, da ich beobachten konnte, dass sie bereits kurze Zeit nach dem Überstehen der Erkrankung in einer besseren Konstitution ist als vorher. Vor allem bemerke ich einen deutlichen Fortschritt in ihrer künstlerischen Entwicklung. Nach jeder überstandenen Erkältung sind ihre gemalten Bilder ausdrucksstärker und detailreicher.

Wenn Krankheit keinen Sinn hätte, hätte die Evolution sie längst eliminiert– betonte eine meiner spirituellen Lehrerinnen. Die Krankheit selbst  ist oft auch ein Reinigungsprozess und hat eine übergeordnete Bedeutung. Wenn wir uns dieser Bedeutung (oder diesem Sinn) öffnen, brauchen wir nicht länger die Symptome zu unterdrücken sondern können die wahren Ursachen erkennen und so eine ganzheitliche Heilung ermöglichen.

 

Buchtip: Krankheit als Sprache der Kinderseele (Dahlke, Käsemann)

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