Arbeit und Berufung Kinder

“Arbeitet die Mutti denn wieder ?”

31. Dezember 2015

Arbeitet die Mutti denn wieder ? “ – Bei jedem Familientreffen wird sie gestellt. Und bei jedem Familientreffen hängt sie wie ein Damoklesschwert über mir. Die Frage, wann ich denn wieder in meinem Beruf arbeiten möchte. Meist antworte ich lapidar „Nein, ich bin noch zuhause“. Und ernte dann oft unverständliche Blicke. „Ja wenn ihr euch das so leisten könnt dann ist das ja toll. Aber das Kind ist doch jetzt schon über vier Jahre alt.“ Wenn ich dann antworte, dass ich unsere Tochter nicht von 8:00 bis 17:00 Uhr in den Kindergarten stecken möchte, um Vollzeit arbeiten zu gehen nur um die Erwartungen anderer erfüllen zu müssen, spüre ich den unterschwelligen Unmut. Wenn ich dann auch noch ehrlich bin und zugebe, dass ich in meinem alten Beruf als Ärztin aufgrund meiner veränderten Bewusstseinshaltung und der damaligen sehr hohen Arbeitsbelastung nicht mehr einsteigen möchte, ist die Fassungslosigkeit sehr groß. „Aber du hast das doch studiert!“ Gerade weil ich es studiert habe und drei Jahre in diesem Beruf gearbeitet habe und einen Blick hinter die Kulissen werfen konnte, habe ich für mich die Entscheidung getroffen, nicht mehr zurückkehren zu wollen.

„Ja aber was willst Du denn dann machen ?“ „Ich weiß es noch nicht. Es gibt viele Möglichkeiten.“ „Ach so. Ja, das ist deine Entscheidung.“ Die meisten denken dann, dass ich den ganzen Tag nur auf der Couch liegen, ein bisschen Haushalt und Hundebetreuung machen würde. Doch auch ich habe gearbeitet. Und ich arbeite heute noch. Täglich. Ich arbeite jeden Tag an meiner Weiterentwicklung. Ich hatte das Glück mich einige Jahre zurückziehen zu dürfen. Eine Unmenge an Büchern lesen zu können. Und genug Zeit um das eigene Leben zu hinterfragen. Und irgendwann habe ich wieder angefangen selbst zu denken und nicht mehr alles zu übernehmen, was mir früher täglich von den Medien, vielen Teilen der Gesellschaft und oft auch von meiner Familie als richtig und erstrebenswert suggeriert wurde.

Nebenbei bemerkt finanzieren wir uns selbst. Ich habe mich bewusst für diesen „Ausstieg“ entschieden und es war klar, dass wir weder Erziehungsgeld noch sonst irgendetwas an staatlicher Zuwendung beantragen (zum Beispiel hätte ich nach wenigen Monaten Sperrfrist auch Arbeitslosengeld beantragen können). Ich bin meinem Mann sehr dankbar, der mich zu jeder Zeit unterstützt hat. Wir wollten uns nicht wieder von den alten Strukturen abhängig machen und wollten es aus unserer eigenen Kraft heraus schaffen. Das haben wir auch getan.

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5 Kommentare

  • Antworten Anika 28. November 2018 um 13:50 Uhr

    Liebe Katharina,
    ich bin sehr dankbar, deine Seite entdeckt zu haben. Für mich gibt es auch keine Zufälle mehr, sondern bewusste höhere Steuerung.
    Ich habe ähnliches erfahren wie du, habe 2 Kinder und wurde seit dem 2. Kind regelrecht aus der „Bahn“ geworfen, wurde depressiv, verstand die ganze Welt nicht mehr und auch den Sinn dahinter nicht. Und es ist wirklich schön, eine ähnliche Geschichte von einem anderen Menschen zu lesen.
    Du hast großes Glück, dass dein Partner immer zu dir gestanden hat. Finanziell tut meiner das auch, nur für die geistige Ebene scheint er noch nicht ganz bereit zu sein. Aber ich durfte dank Eckhart Tolle ordentlich umdenken und kam aus meiner Opferrolle heraus. Seitdem ist das Leben wieder ein Geschenk und ich kann meinen Kindern endlich etwas vermitteln.
    Das Thema Schule (deswegen bin ich überhaupt erst hier gelandet) beschäftigt mich auch seit einigen Jahren. Glücklicherweise hält unsere Ortsschule 2 Schulrichtungen (Regelunterricht und Montessori) bereit.

    Mich würde sehr interessieren, wie du hellfühlig und hellsichtig wurdest. Ich belese mich auch sehr viel und eigne mir quasi alles selber an. Deshalb wäre ich für einen Tipp sehr dankbar.

    Du hast nicht nur das Wissen, du setzt es auch in Erfahrungen um. Das ist mein nächster Schritt.

    Vielen Dank, dass ich dir hier „begegnen“ durfte und vielen Dank schon jetzt, dass du dir die Zeit zum Lesen genommen hast.

    Herzliche Grüße
    Anika

    • Antworten Katharina Dill 28. November 2018 um 15:41 Uhr

      Liebe Anika,

      vielen Dank für Deine wunderbaren Worte. Dass mit der zunehmenden Medialität ergab sich irgendwie automatisch. Allerdings erst verstärkt nachdem ich aufgehört hatte, es erzwingen zu wollen und ich selbst soviel Klarheit in mir und meinem Leben hergestellt hatte, dass ich mir selbst nicht mehr im Weg stand. Früher war ich auch auf Seminaren, wo versprochen wurde, dass danach das “3. Auge vollständig geöffnet sei”. Etwas Bahnbrechendes passierte jedoch nie, zumindest nichts, was mein Ego damals erwartete.

      Das Allerwichtigste ist, dass Du Deine Wahrnehmung nicht mit der Wahrnehmung von anderen vergleichst. Jeder ist individuell. Achte auf deine inneren Bilder, Gefühle und Eingebungen und schieb sie nicht als Einbildung und Quatsch weg.

      Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Liebe.

      Katharina

      • Antworten Anika 28. November 2018 um 21:28 Uhr

        Liebe Katharina,
        ich danke dir wirklich sehr für deine rasche und klare Antwort. Deine Worte kann ich gut nachvollziehen. Vielen Dank für deinen Ratschlag. Der inneren Stimme folgen – sie erstmal genau wahrnehmen und abgrenzen von den eigenen Gedanken. Ja, daran arbeite ich.
        Ich wünsche dir und auch deiner Familie alles erdenklich Liebe im Leben.
        Anika

  • Antworten Vanessa 3. Oktober 2016 um 05:07 Uhr

    Wow, ich kann dich so gut verstehen!! Diese Fragen, die man eigentlich gar nicht beantworten will, jedoch die Höflichkeit es gebietet zumindest irgendetwas zu sagen. Während man weiß, dass die Wahrheit sowieso niemand hören will, geschweige denn sie verstehen oder nachvollziehen kann. Und dann diese Blicke, von denen sie glauben, man würde sie nicht wahrnehmen. Oder jene Blicke (vorzüglich innerhalb der Herkunftsfamilie), die sie sich extra offensichtlich zuwerfen mit der unausgesprochenen Bedeutung: “Na ja, sie spinnt halt wieder mal. Das kennen wir ja schon. Sie wird schon wieder zu sich kommen.”
    Die meisten Leute (egal ob Familie oder flüchtig Bekannte) schwimmen halt mit der Masse mit, haben irgendwann im jungen Alter aufgehört Dinge zu hinterfragen oder gar selbständig zu denken. Sie machen Dinge “weil man das halt (so) macht”. Meistens sind das sogar diejenigen, die sich ständig beschweren. Wie schlecht doch alles ist und wie arm sie sind. Dass sie es selbst sind, die daran was ändern könnten (wenn sie den Mut dazu hätten und die Verantwortung über ihr eigenes Leben übernehmen könnten), entgeht ihnen dabei leider…
    Ich bin heute zufällig auf dieser Seite gelandet, werde sie mir aber nun unter meinen Favoriten abspeichern. Habe da so manch interessante Überschrift zu Blog-Artikeln gesehen, die ich noch lesen möchte. Ich wünsche dir ganz viel Kraft um deinen Weg zu gehen!!! Lass dich von deiner Intuition leiten und von niemanden davon abbringen!

    • Antworten Katharina 6. Oktober 2016 um 19:36 Uhr

      Liebe Vanessa, jetzt fühle ich mich aber sehr geehrt von deinem Kommentar. 🙂 Du hast so recht: aus vermeintlicher Höflichkeit verbiegen wir uns. Damit schaden wir aber nicht nur uns, sondern auch dem Gegenüber. Nur durch unsere eigene klare Positionierung können wir es dem Anderen ermöglichen, selbst alte Muster zu reflektieren und aus der “Wir haben das schon immer so gemacht.”-Schiene herauszukommen. Natürlich bist du nicht zufällig auf dieser Seite gelandet. 🙂 Und ich freue mich, wenn du noch auf weitere Themen stößt, die dich interessieren. Alles Gute für dich!

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