Gesellschaft Kinder

Konsumverhalten – Kinder haben viele Wünsche !

26. November 2015

Kinder haben viele Wünsche” – So lautete der Titel eines Flyers der Caritas, den wir vor einigen Tagen vom Kindergarten erhalten haben. Hierin wird ein Elternabend beworben, welcher den Eltern eine Unterstützung bezüglich der Konsum- und Finanzkompetenz in den Familien geben möchte. Unter anderem heißt es hier: “Vielfältige Verheißungen im Fernsehen, Radio oder in Zeitschriften wecken bei den Kleinsten häufig zahllose Wünsche. Diese geraten im Alltag oft mit den elterlichen Erziehungsvorstellungen und den finanziellen Möglichkeiten aneinander. “

Während andere Kinder täglich mehrere Stunden vor dem Fernseher sitzen oder in vielen Familien die Zeit vor dem Fernseher sogar die einzige gemeinsam verbrachte Zeit ist, sind wir bemüht, unserer Tochter sinnvolle und für das Kind erfüllende Alternativen anzubieten (u.a. Gesellschaftsspiele, mit Bauklötzen bauen, Malen, draußen in Garten/Natur sein).

Ehrlich gesagt, haben wir daher keine Probleme mit Werbung und dem Konsumverhalten unserer Tochter, einfach, da wir selbst so weit wie möglich aus dem Massenbewusstsein und damit auch aus Konsumrausch und Markenfixierung herausgelöst sind. Bei uns zu Hause gibt es kein Fernsehen und keine „Werbung“ und auch bei Besuchen in der Verwandtschaft bitten wir zuerst, den Fernseher auszuschalten.

Leider finden sich aber mittlerweile in jedem großen Möbelhaus, Kaufhäusern oder sogar kleineren Schuhläden „Kinderecken“, wo den Kindern lieblose Animationssendungen, teilweise mit Werbung, gezeigt werden. Da heißt es standhaft zu bleiben und nur ein Minimum an Zeit zum Schuhkauf einzuplanen oder solche Läden ganz zu meiden.

Es ist immer wieder wichtig darauf hinzuweisen, dass der SINNVOLLE Umgang mit Konsum und damit verbunden mit Geld nicht nur vermittelt, sondern VORGELEBT werden muss.

So sind wir stets darum bemüht auch nur die Dinge zu kaufen, die wir wirklich benötigen.

Wenn wir uns dazu entschließen dem Kind (oder uns) neue Anziehsachen zu kaufen, räumen wir vorher alle Schränke auf und sortieren zu klein gewordene oder wenig getragene Kleidung aus- um sie entweder auf dem Flohmarkt anzubieten oder der Nachbarschaftshilfe zu geben. Anstatt immer wieder neue Sachen zu kaufen, ohne Altes gehen zu lassen , versuchen wir unsere Räume zu „entmüllen“ und all die Dinge zu verkaufen oder verschenken, die wir in den letzten zwei Jahren nicht mehr gebraucht haben.

Mit unserem Verhalten vermitteln wir somit auch dem Kind: Es kann nur dann etwas Neues zu dir kommen, wenn du Altes gehen lässt. (Ein spiritueller Grundsatz der übrigens nicht nur auf das Materielle beschränkt ist)

Muss es denn auch immer etwas Neues sein? Wir lieben Flohmärkte und die Kleinanzeigen von ebay. Hier gibt es tolle Kinder- und Spielsachen zu super Preisen. Gebrauchte Sachen sind nicht schlechter als Neuwertige. Aber auch hier überlegen wir gemeinsam: Sollen wir das vom Flohmarkt mitnehmen oder wann wäre es vielleicht besser, etwas neu zu Kaufen? (z.B. Kinderschuhe).

Natürlich fragen wir auch unsere Tochter, was sie sich zum Geburtstag oder zu Weihnachten wünscht. Gleichzeitig reden wir mit ihr über jeden einzelnen Wunsch, um herauszufiltern was ihr davon wirklich wichtig ist. Viele Wünsche haben sich dann bereits nach einem solchen Gespräch in Luft aufgelöst.

Leider ist es so, dass wenn ein Kind im Kindergarten ist, es sich dann natürlich auch an dem Konsumverhalten der anderen Kinder orientiert. So gibt es auch in der Kindergarten- Gruppe unserer Tochter Kinder, deren Eltern viel Wert auf Marken- Kleidung und Accessoires mit gerade angesagten und von der Werbung propagierten Kinderthemen legen (Spider-Man, Star-Wars, Frozen u.a.). Wenn sie dann nach Hause kommt und plötzlich eine Spider-Man-Figur oder LEGO-Star Wars möchte, liegt es dann natürlich an uns, mit ihr im Gespräch herauszufinden ob es sinnvoll ist, so etwas auch zu haben oder nicht. Will sie es nur, weil ein anderes Kind es auch hat? Denkt sie, dass sie dadurch bei den anderen Kindern beliebter wäre?

Wir versuchen unserer Tochter immer zu vermitteln, dass es nicht wichtig ist, so zu sein wie die anderen oder das zu haben, was die anderen gerade haben. Sondern dass es schön und vor allem wichtig ist, ANDERS ZU SEIN. Sie ist wertvoll, so wie sie ist und benötigt keine materiellen Dinge, um besser zu sein oder dazu zugehören.

Wenn ich mich umschaue, sehe ich bei vielen Familien völlig überfrachtete Kinderzimmer (meist mit lärmenden Plastikspielzeug). Kleinkinder, die mit Nintendo „ruhig-gestellt“ werden. 3-Jährige, die sofort die Logos von Playmobil, Lego, Star Wars, Cars, Spider Man, Barbie, Lilifee, Bob der Baumeister und anderen Marken benennen können.

Oft wollen konsumfreudige Kinder unbedingt und vehement ein bestimmtes Spielzeug. Sie sehnen sich so sehr danach und drehen durch, wenn sie es nicht bekommen. Erhalten sie es dann aber zum Geburtstag oder zu Weihnachten, spielen sie zunächst scheinbar begeistert damit, bis sie schon nach kurzer Zeit das Interesse verlieren und das „Super-Spielzeug“ in der Ecke des Zimmers oder im Keller landet. Beim nächsten Fernseh-Schauen findet das Kind dann wieder neue Spielzeuge, die es unbedingt haben möchte. Und die Eltern kaufen es. Warum? Weil das Kind dann nicht mehr „nervt“. Weil das Kind sich dann vermeintlich selbst beschäftigt und die Eltern in ihrem schweren Alltag nicht gezwungen sind, sich auch noch mit dem Kind zu beschäftigen. Weil die Eltern Angst haben, dass das Kind dann nicht mehr dazugehört. Und weil sie tagtäglich ebenso wie das Kind von den Medien und der Werbung zugedröhnt werden und selbst zu Konsum-Robotern mutiert sind. Sie tun das nicht, um ihrem Kind zu schaden, sondern weil sie es selbst so gelernt haben und sie glauben, dass es richtig sei. Sie sehen keine Alternativen. Es machen doch alle im Bekanntenkreis auch so.

Gerald Hüther, bekannt durch seine Hirn-Forschung, hat sich in einem wunderbaren Video auch mit dem Konsum-Verhalten auseinandergesetzt: “STOP! Konsum und Wegwerfgesellschaft. Was macht wirklich Glücklich.”

In diesem Video betont er vor allem, dass Kinder das nachmachen, was ihnen erfolgreich vorgelebt werde. Kinder möchten wachsen. Kinder möchten eine tiefe Verbundenheit spüren, bei der gleichzeitig vorhandenen Möglichkeit frei und autonom zu sein. Er sieht den Konsum als eine “Ersatzbefriedigung”, wenn auf die Grundbedürfnisse der Kinder nicht eingegangen wird.

“Wenn man dann nicht das kriegt, was man braucht, nimmt man sich das, was einem irgendwo angeboten wird. Und dann gibt es eine ganze Industrie, die wartet nur darauf, dass es möglichst viele Menschen mit möglichst vielen ungestillten Bedürfnissen gibt, weil die halten die Wirtschaft am Laufen. Wir brauchen Kindheiten, in denen die Kinder unglücklich gemacht werden. Wir brauchen Kindheiten, in denen die beiden Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden, weil wir sonst hinten keine Konsumenten hätten, die all den “Schrott” kaufen, den kein Mensch braucht, wenn es ihm gut geht.”                                               

(Gerald Hüther)                                

Ermögliche deinem Kind in Liebe, Achtsamkeit und größtmöglicher Freiheit groß zu werden, und lerne ihm, hinter die Fassaden zu schauen- und es wird wahrhaft leben, statt sein Glück im Konsum zu suchen.

Das könnte Dich auch interessieren

Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

KD Scroll To Top Button