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Bildung in den USA ist wichtig – das Studium unbezahlbar

4. Januar 2016

Bildung ist das höchste Gut. Dieser Satz ist uns allen seit Kindheitstagen vertraut. Der Mensch soll besser, schneller, gebildeter werden, damit er im digitalen Zeitalter nicht abgehängt wird. Viele Menschen aus der Unterschicht sehen in Bildung und einem akademischen Abschluss ihre einzige Chance, dem alten Leben zu entfliehen. Während in Deutschland jeder mit Abitur relativ unkompliziert studieren kann, sieht das Ganze im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ bereits ganz anders aus, wo die Studiengebühren extreme Ausmaße erreicht haben (ca. 12.000-40.000$/Jahr!).

In den letzten 30 Jahren haben sich die Gebühren für ein Hochschulstudium in den USA auf über 1100 % gesteigert. Die Universitäten erhalten weniger Zuschüsse seitens der Regierung und sind gleichzeitig untereinander gefangen in einem Prestige- Kampf. Viele Studenten werden als Kunden angesehen, denen man viel bieten müsse. Im gegenseitigen Wettrüsten eifern die Colleges und Universitäten um die größten Sportstadien, Kletterwände, eigene Schwimmbäder und die schönsten Studentenunterkünfte mit Swimmingpool. Gleichzeitig wird versucht bedeutende Forschungsergebnisse zu generieren, damit die jeweilige Universität auf der Rangliste weit oben steht. Je höher das Ranking, desto höher sind die Gebühren, die für das Studium verlangt werden können. Aktuell sind es nur 1,25 % der Universitäten (darunter Harvard), die es wenigen (!) Studenten ermöglichen, kostenlos durch ein Stipendium zu studieren.

Viele junge Menschen, die sich für ein weiterführendes Studium entscheiden, müssen trotz sehr guter Noten und das Erlangen von Teilstipendien Kredite aufnehmen. Es ist nicht möglich nebenher arbeiten zu gehen, wenn das Studium in kürzester Zeit durchgezogen werden soll. Das reguläre Hochschulstudium in den USA ist auf vier Jahre ausgelegt, 44 % der Studierenden sind nach sechs Jahren jedoch immer noch nicht fertig. (siehe Film „Ivory Tower“ / “Wer lernen will, muss zahlen”, CNN-Produktion)

Die schuldenfreie Bildung gilt damit als ein Privileg der Reichen. Der Studentenkreditmarkt ist mit über 1 Milliarde $ mittlerweile nahezu gleich dem Kreditkarten- Schuldenmarkt. Die Studenten verlassen die Universität mit einem enormen Schuldenberg, welchen sie in den nächsten zehn oder 20 Jahren oder bis an ihr Lebensende abzahlen müssen. Viele sind in der Illusion gefangen, dass sie durch das Hochschulstudium in den USA einen Job finden werden, dessen Gehalt weit über dem Durchschnittsverdienst liegt.

Nach der Wirtschaftskrise gab es einen Einbruch vor allem bei den bisher gut bezahlten Jobs im Banken- und Finanzbereich. Im Jahr 2013 waren nun fast 50 % der unter 25 jährigen Absolventen arbeitslos oder unterbeschäftigt. Aus einer Schuldensumme von 30.000 $ nach Beendigung des Studiums wird schnell durch die Kreditverträge und Zinsen eine Summe von über 100.000 $, wenn der Kredit nicht zurückgezahlt werden kann. Viele junge Leute überlegen sich dann sogar, überhaupt Kinder zu bekommen, da sie keine Möglichkeit sehen aus dieser Schuldenspirale auszusteigen.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich hier eine grandiose Maschinerie, die die Menschen bereits in jungen Jahren in eine extreme finanzielle Belastung und Abhängigkeit treibt und sie somit sukzessiv von ihrem wahren Sein entfremdet. Jeder, der mit einem solchen Schuldenberg sein Berufsleben startet und erkennen muss, dass (v.a. nach der Wirtschaftskrise) sein hochbezahlter Traumjob nicht mehr verfügbar ist, gerät in eine Existenzkrise. Aus Angst vor Zwangsvollstreckung wird dann jede Arbeit angenommen, die verfügbar ist. Eine Arbeit, für die in der Regel ein akademischer Abschluss nicht nötig gewesen wäre und die weit entfernt von der eigenen fachlichen Qualifikation liegt. Viele junge Menschen resignieren dann. Sie müssen sich mit Jobs über Wasser halten, die nicht ihren Talenten und Fähigkeiten entsprechen. Sie schleppen sich freudlos durch den Alltag und flüchten in die Ablenkung: Fernsehen, Kino, Playstation, Spaßparks. Nicht umsonst findet sich in den USA eine gigantische Unterhaltungsindustrie, deren einzige Aufgabe es ist, den unglücklichen Bürgern kurze Illusionen von Spaß, Freude und Sorglosigkeit zu vermitteln (natürlich zeigen sich hier auch Parallelen zu Deutschland).

Zusätzlich wird jeder, der volljährig wird, mit Kreditkartenanträgen bombardiert. „Ist doch kein Problem, wenn du jetzt ein Auto willst, obwohl du nach deinem Studium schon tausende Dollar Schulden hast. Nimm die Kreditkarte. Die Zinsen sind doch sooooo niedrig.“ Und fast alle fallen darauf herein. Schulden zu haben ist mittlerweile für die Mehrheit der Menschen in den USA völlig normal. Im „Konsum auf Pump“ finden sie eine Ersatzbefriedigung um ihren Alltagssorgen zu entfliehen.

Im Grunde ist anhand der akademischen Bildungssituation auch erkennbar, wie weit sich Staat und Regierung von den Menschen entfernt haben. Statt etwas „für“ seine Bürger zu tun, sind fast alle Strukturen in den USA so angelegt, diese in eine große Abhängigkeit und Fremdbestimmung zu führen. In einem reichen Land (und Amerika sieht sich ja nicht als Entwicklungsland) wäre es ein Anliegen des Staates, für alle eine kostenfreie schulische und akademische Bildung zu garantieren. Und zwar eine Bildung, die jeden in seiner Selbstständigkeit unterstützt. Stattdessen werden die hierfür eigentlich vorhandenen Gelder von Lobbyismus und sinnlosen Angriffskriegen (gegen den vermeintlichen „Terrorismus“) verschleudert.

Jedes Volk ist mächtig, wenn es seine eigene Größe erkennt. Dann können solche Strukturen aufgesprengt und neu organisiert werden. Doch dazu muss sich erst jeder einzelne seines wahren Seins und seiner Einzigartigkeit bewusst werden, um sich aus diesen Netzen herauszulösen und neue Wege zu beschreiten.

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