Persönlichkeit

Authentisch Sein – Sei der du bist

23. Januar 2016

In meinem Alltag begegne ich selten Menschen, die sich mir in ihrer vollen Ganzheit präsentieren und authentisch sind. Auch ich selbst traue mich oft nicht, meinen inneren Wahrheiten zu Folgen und mich mit meinem wahren Selbst zu zeigen, aus Angst, andere Menschen damit zu verletzen. Aufgrund dieser falschen Rücksichtnahme ertappe ich mich dann dabei, dass ich mich klein mache und nicht authentisch bin, obwohl dies weder mir noch meinem Gegenüber dienlich ist.

Wir alle haben Angst vor vernichtender Kritik oder schlechten Kommentaren z.B. in Familie, Freundeskreis oder den sozialen Netzwerken. Vor allem in letzteren zeigen wir uns oft nicht wahrhaftig und authentisch aus Angst vor Anfeindungen. Oder wir nehmen Abstand davon, unsere eigene Meinung öffentlich zu Posten, aus Furcht, dass dies „Ausarten“ könnte in Streit und Verleumdung.

Wenn ich in meiner Ganzheit bin, dann kann ich auch meine aktuelle Wahrheit öffentlich darlegen und den anderen, die diese lesen, zutrauen, dass sie damit umgehen können.

Ich hatte das Glück, im LAIS-Workshop zum Natürlichen Lernen Menschen zu begegnen, die teilweise völlig unterschiedliche Auffassungen hatten als ich, wir aber innerhalb dieses Moduls uns in der Gruppe einen Raum geschaffen haben, wo jeder ohne Angst und mit einer großen Wertschätzung die Aussagen des anderen annehmen und so stehen lassen konnte. Wo jeder zwar seinen Standpunkt erklärt, aber nicht rechtfertigen musste und nicht andere von seinem Standpunkt überzeugen wollte. Wir konnten in die Aussagen der anderen hineinspüren und fühlen, wo eventuell Schnittpunkte und Gemeinsamkeiten zu finden waren. Wir konnten uns alle ziemlich frei präsentieren und durften, bei einer gleichzeitigen maximalen Verbundenheit mit der Gruppe, dennoch wir selbst sein. Ich muss gestehen, dass ich etwas Derartiges, und auch so harmonische Gruppengespräche trotz unterschiedlicher Auffassungen, bis dahin nicht erlebt hatte.

Bei vielen Begegnungen im Alltag seither und vor allem seitdem ich mich bei Facebook angemeldet habe, konnte ich erkennen, wie weit wir in unserer Gesellschaft von einem solchen wertschätzenden Miteinander leider immer noch entfernt sind. Wir alle verfallen oft darin, zu viel zu kommentieren, wo unser Kommentar gar nicht angebracht ist (ein Thema, woran ich selbst wirklich sehr lange arbeiten musste) und rutschen bei den kleinsten Dingen in ein Rechtfertigungs- Drama.

Oder ich erlebe in einigen Network-Gruppen eine gewisse Scheinheiligkeit. Jeder beansprucht für sich authentisch zu sein, möchte aber bei bestimmten Themen die Meinungen der anderen hören und gesteht denen ihre Authentizität dann nicht zu. Sollte sich hier wirklich jemand hinreißen lassen, seine Wahrnehmung zum jeweiligen Thema zu äußern, kommt gleich die dunkle Welle angebraust und es wird offensichtlich, dass konstruktives Feedback nicht erwünscht ist, da es die Friede-Freude-(Schein-)Harmonie stört. Wenn ich so etwas spüre oder erlebe, ziehe ich mich dort zurück und gehe meinen Weg in einer anderen Richtung weiter.

Ich selbst habe mich dazu entschlossen, mich klar zu positionieren und Dinge zu Posten, die zwar meinen Überzeugungen entsprechen, von denen ich aber genau weiß, dass der Großteil meines Bekanntenkreises damit entweder nichts anfangen kann oder eine völlig andere Meinung dazu hat. Und das ist auch gut so. Wir alle haben unterschiedliche Wahrnehmungen und somit gibt es auch viele verschiedene Wahrheiten.

Die große Kunst ist es, die verschiedenen Standpunkte zu akzeptieren ohne sich persönlich angegriffen oder eingeschränkt zu fühlen und die Aussagen des anderen annehmen und für sich stehen lassen zu können.

Wenn wir unsere Standpunkte und Probleme öffentlich zeigen, machen wir oft die Entdeckung, dass andere, von denen wir es niemals für möglich gehalten haben, sich plötzlich „outen“ und ebenso denken wie wir. Oder das wir erkennen, dass wir mit unseren Problemen nicht alleine sind und gemeinsam Wege finden, diese anzuerkennen und zu lösen. Nicht sie zu beseitigen und wegzuschieben. Denn letzten Endes sind alle Probleme tief verborgene Kräfte und Fähigkeiten unseres Seins, die entdeckt und gelebt werden möchten.

Alles, was uns im Außen begegnet, ist ein Spiegel unseres Innersten. Wenn uns irgendwelche Artikel oder Kommentare in Rage bringen oder tief verletzen und wir sie nicht liebevoll ignorieren können, dann nur, wenn in unseren energetischen Feldern ein Resonanzpunkt dazu existiert. Wir sollten solche Gelegenheiten nutzen, dem Nachzuspüren und zu Erfühlen, was in unserem Inneren gerade so angetriggert wird und warum.

Dann haben wir einen weiteren Schritt in unsere Ganzheit und zu unserem wahren Sein getan.

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1 Kommentar

  • Reply Siggy 25. Januar 2016 at Montag, 25. Januar 2016

    Liebe Katharina,
    Danke für deinen tollen Artikel. Ja, sich zeigen so wie mann/ frau ist, ist der Weg. Dann tun sich plötzlich unverhoffte Dinge auf und die richtigen Wggefährten erscheinen. Fliegen kann nur der, wer den Mut hat es zu tun. Herzlichst Siggy

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