Bräuche

Weihnachten und Rauhnächte

25. Dezember 2015

Es ist Weihnachten. Nachts ist Vollmond. Tagsüber scheint meist die Sonne bei Temperaturen bis 15°C. Doch für die meisten Menschen im deutschsprachigen Raum fühlt es sich nicht richtig an. Ein Weihnachten ohne Schnee und Schlittenfahrten. Ein „anderes“ Weihnachten, nicht so, wie es für gewöhnlich immer war.

Nach dem Verlust des Laubes im Herbst zeigen sich die Bäume kahl und die Landschaft wirkt überwiegend braun-grau als grün. Sobald die strahlende Sonne hinter einer Wolkendecke verschwunden ist und nicht mehr alles in ihr warmes Licht taucht, entstehen Tristesse und Düsternis. Nichts wird nun durch den weißen Glanz des Schnees bedeckt und verschönt. Nirgends findet sich die Illusion eines weißen Wunderlandes.

Die aktuell hochkarätigen Energien (Rauhnächte, Vollmond, vermehrte Sonneneinstrahlung) zwingen die Menschen, sich ihren Dramen zum Jahresende zu stellen. Nichts kann diesmal unter Pulverschnee-Decken verborgen werden. Und auch nachts dringt das sanfte Mondlicht machtvoll in alle Ecken des Seins, damit das Unerlöste kein Versteck in der Finsternis findet.

Gerade zu Weihnachten meiden die Menschen Konfrontationen. Besonders in den Familien und bei Verwandtschaftsfeiern wird mit geradezu verbitterter Härte eine Schein-Harmonie aufrecht erhalten. Doch diesmal spiegelt die äußere Wettersituation auch die Forderung an jeden einzelnen, bisher gemiedene Themen anzusprechen und die Dinge nicht mehr unter einer Schneedecke zu verbergen. Vieles bedarf der Klärung. Und während sich einige auf ein Wiedersehen mit der Familie freuen, sind andere von dem weihnachtlichen Frühstück- Mittag-Kaffee-Kirche-Abendbrot-Marathon genervt. Und beim anschließenden Auspacken der Geschenke zeigt sich oft einmal mehr, wie wenig sogar die engsten Familienangehörigen einen selbst kennen und sich wirklich überlegen, was demjenigen Freude bereiten könnte. Meist enden hier die Feiertage mit dem Gefühl, jetzt endlich alles hinter sich zu haben und den ersten Überlegungen, wie und wo die unpassenden Geschenke wieder veräußert oder umgetauscht werden können.

Wenn ich erwachsen bin und mein eigenes Einkommen habe, erfülle ich mir meine Geschenk-Wünsche in der Regel selbst und nicht nur an Weihnachten. Das zwanghafte untereinander Beschenken, obwohl alle gut verdienen und eigentlich keine Wünsche haben, artet vor allem bei größerer Verwandtschaft in ein zeitaufwendiges Geschenke- Suchen-Kaufen-Verpacken aus. Und das, obwohl in vielen Familien die meisten Eltern sowieso schon den Spagat zwischen enormer beruflicher Belastung und genügend Freizeit mit ihren Lieben und sich selbst (!) nicht schaffen.

Warum also in solchen Fällen nicht einfach nur den Kindern etwas schenken? Diese lieben Geschenke. Und vor allem lieben sie es auch, mit selbst Gemaltem und Gebastelten andere zu beschenken. Das muss aber nicht auf Weihnachten (oder Geburtstage) beschränkt sein. Und wenn es den Eltern zu viel wird, können andere Verwandte ja die Geschenke auch per Post schicken oder kommen einfach ein paar Wochen später zu einem zwanglosen Besuch vorbei und bringen sie dann erst mit. Aber wehe, Eltern schlagen so etwas vor. „Das geht doch nicht! Weihnachten ist das Fest der Familie!“ Doch was ist verwerflich darin, es nur mit dem Partner und den Kindern allein zu verbringen?

Jeder sollte die Möglichkeit haben, die Weihnachtstage ohne familiäre Zwänge genießen zu können. Doch die Tage, die „erholsam“ sein sollen, werden in vielen Familien zu reinem Stress durch teilweise sehr ausufernde Schmückerei, Tannenbaumwettrüsten, Verwandtschaftshopping, dem Plätzchenbacken-Marathon (mindestens 10 Sorten, sonst brauche ich als Mutter nicht mehr auf die Straße) und Last-Minute-Geschenke-Kaufen („Hauptsache, ich habe was.“). Und nun gibt es dieses Jahr noch nicht einmal Schnee. Welch ein Drama…

Es ist völlig egal, wie der Baum aussieht und ob überhaupt einer im Wohnzimmer steht.

Es ist völlig egal, wie viel und ob du überhaupt Plätzchen gebacken hast.

Und es ist völlig egal, ob du allen etwas schenkst oder dir das neueste Marken-Spielzeug für deine Kinder nicht leisten kannst.

Gerade an Weihnachten solltest du dir Zeit für dich und deine engste Familie nehmen. Weihnachten ist nicht nur das Fest der Liebe. Es ist die Zeit des Jahres mit den höchsten Energieeinstrahlungen. Besonders in den Rauhnächten (25.12.-06.01.) sind die geistigen Tore zu den Anderswelten weit geöffnet. Durch Stille, Meditation, zur Ruhe kommen und innere Einkehr ist es nun möglich, die eigene Medialität leichter zu ergründen und dem Verborgenen zu lauschen. Sich selbst wieder zu entdecken und nicht mehr nur nach äußeren Zwängen zu richten. Alte Gewohnheiten sterben zu lassen um neu aufzuerstehen. Und vielleicht wie das Wetter diesmal alles ein wenig anders zu machen…

 

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